Warum sind in manchen Branchen zu wenig österreichische Lehrlinge vorhanden? Das FH-Magazin sprach mit Jugendlichen und einer Sozialarbeiterin über Jobwünsche und -aussichten.
Ist es tatsächlich notwendig, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu rekrutieren? Die Suche nach einer Antwort brach nicht nur unter Politikern eine heftige Debatte vom Zaun. In manchen Berufen, wie etwa Dreher, Fräser und Schweißer, ist es bei der momentanen Situation unumgänglich, die personelle Lücke durch ausländische Fachkräfte zu decken.
Unbeliebt oder zu wenig Informationsangebot? Foto: DPA
Frisörin und Mechaniker als Traumberuf
Den Grund warum die genannten Berufe für Jugendliche nicht besonders attraktiv sind, sieht die Sozialarbeiterin Mag. Karin Peham-Strauss in der mangelnden Information. Die Jugendzentrumsleiterin hilft Jugendlichen bei der Jobsuche, informiert sie über bestimmte Branchen und gibt ihnen Tipps für Bewerbungsschreiben und -gespräche. Dadurch kennt sie die Präferenzen und Vorstellungen junger Jobsuchender. "Am Wichtigsten ist es, Jugendliche zu informieren und ihnen auch die Chance zu geben, Praktika zu machen.", so Peham-Strauss. "Ein junger Mensch, der sich unter einem Beruf nichts vorstellen kann, wird diesen auch nicht ergreifen." Ihrer Meinung nach ist es außerdem schwierig, die klassischen Berufsvorstellungen zu verändern. "In den meisten Fällen ist es tatsächlich so, dass Frisörin und Mechaniker die Traumberufe sind. Natürlich möchte jeder Jugendliche eine Lehre machen, die auch seine persönlichen Interessen anspricht." Davon abzurücken, ist laut Peham-Strauss für Jugendliche extrem schwierig.
Mehr Kurse, weniger Arbeitslose
Im Zusammenhang mit dem viel publizierten Fachkräftemangel wurde die Frage laut, ob durch das Einstellten ausländischer Facharbeiter Jugendlichen potentielle Lehrstellen weggenommen werden. Momentan scheint das Problem nicht akut, da neueste Zahlen des AMS einen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich um 3,9 Prozent zeigen. Diese Zahlen stimmen jedoch die wenigsten arbeitslosen Jugendlichen optimistisch. Renata V., die als politischer Flüchtling mit ihren Eltern von Ungarn nach Österreich kam, war trotz Abschluss an einer Handelsschule über ein Jahr beim AMS gemeldet. "Ich weiß gar nicht mehr wie viele Bewerbungen ich geschrieben habe." erzählt die 20-Jährige.“Natürlich würde ich als Lagerarbeiterin schnell irgendwo einen Job finden, ich will aber lieber in einem Büro arbeiten." Sie hat auch diverse Kurse besucht, erfolgreicher war sie trotzdem nicht. Während unserem Gespräch läutet Renatas Handy, eine Speditionsfirma möchte sie als Einzelhandelskauffrau aufnehmen. "Mein großes Plus ist, dass ich fließend Ungarisch spreche." freut sie sich.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Mit Beratung geht es leichter. Foto: APA
Mangelnde Jobberatung
Von Dezember 2006 bis Mai 2007 war die 18-Jährige Kathrin K. auf der Suche nach einer Lehrstelle. Individuelle Jobberatung hat ihr beim AMS gefehlt. "In welchen Branchen meine Chancen gut stehen, hat mir niemand gesagt." Nach drei Jahren in einem Gymnasium hat sich Kathrin dazu entschlossen, die Schule abzubrechen und eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau zu machen. Nach einer Wartezeit von knapp sechs Monaten, standen ihr dann mehrere Türen offen. Einen Job in einem Altersheim hat sie abgelehnt. "Das wäre mir rein menschlich einfach zu nahe gegangen. Du gewöhnst dich an Manschen, die dann auf einmal sterben und du trägst sie nur aus einer Liste aus", erklärt sie. Auch in dieser Branche dürfte der Bedarf an Pflegekräften künftig steigen. Ein neuer UN-Bericht zeigt, dass sich die Zahl der über 60 Jährigen in den nächsten 40 Jahren verdreifachen wird. In den Industrieländern werden die Einwohner zudem immer alter. Kathrin macht nun eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau in einer Sprachschule in Oberösterreich. "Meine Lehrberechtigte hört nach meiner Ausbildung auf zu arbeiten, deshalb bekomme ich ihre Stelle und muss mir keine Sorgen machen".
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